Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?


Von P. Engelbert Recktenwald

Streng genommen ist die Frage, ob Christen und Muslime an denselben Gott glauben, unsinnig. Denn wenn es nur einen einzigen Gott gibt, dann kann es keinen anderen Gott geben, an den man auch noch glauben könnte. Die einzige Alternative ist ein Götze, d.h. ein Geschöpf, dem man göttliche Verehrung erweist. Davon gibt es viele, im Heidentum wimmelt es nur so davon. Das Gegenteil ist der Schöpfer, und davon gibt es nur einen. Wenn also vom Schöpfer des Himmels und der Erde die Rede ist, haben wir eine eindeutige Referenz für unser Sprechen von Gott. Erst recht gilt das, wenn dieser Schöpfer mit dem sich offenbarenden Gott des Alten Testaments identifiziert wird, mit dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Ich kann sinnvollerweise fragen, ob der Erbauer des Doms zu Köln derselbe sei wie der Erbauer des Doms zu Aachen. Denn es gibt viele verschiedene Menschen, die Dome gebaut haben. Aber ich kann nicht fragen, ob der Schöpfer der Welt, an den die Muslime glauben, ein anderer sei als derjenige, an den die Christen glauben. Denn es gibt nur einen einzigen Schöpfer.

Man unterscheidet bei jedem Begriff zwischen seinem “Sinn” und seiner “Referenz”. Die Referenz ist das, wovon ich etwa aussage, der Sinn ist das,was ich im Begriff davon aussage. Wenn ich von Papst Benedikt aussage, er sei ein Franzose, dann ist das zwar eine falsche Aussage, aber ich spreche von derselben Person wie derjenige, der von ihr richtigerweise aussagt, er sei ein Bayer. So sind die irrigen Urteile der Muslime über Gott zwar Irrtümer, aber sie haben dieselbe Referenz wie die wahren Urteile der Christen. Wäre dem nicht so, dann wäre z.B. die Leugnung der Dreifaltigkeit durch die Muslime gar kein Irrtum, weil sich ihre Aussage sowieso nicht auf Gott bezöge.

Nun kann es aber vorkommen, daß jemand ein so verfälschtes Charakterbild von einem Menschen entwirft, z.B. wenn jemand den ehemaligen Kardinal Ratzinger als engstirnigen, machtbesessenen Panzerkardinal hinstellt, daß jemand, der ihn wirklich kennt, zurecht sagen kann: “Das ist nicht der wahre Ratzinger. In Deiner Beschreibung erkenne ich ihn nicht wieder”. Damit will er nicht leugnen, daß der Betreffende über dieselbe Person spreche. Aber er will damit behaupten, daß er ein falsches Bild resp. einen falschen Begriff von ihr habe. Im Deutschen gibt es dafür das treffende Wort “verkennen”. Er verkennt diese Person. In diesem Sinne können wir sagen, daß die Muslime in dem Maße, wie sie z.B. an einen Willkürgott glauben, dessen Wille nicht an Vernunft und Gerechtigkeit gebunden sei, Gott verkennen und nicht an den “wahren Gott” glauben. Präzise ausgedrückt bedeutet das: Sie haben noch nicht erkannt, wie Gott, an den sie glauben, in Wahrheit ist. Sie haben einen irrigen Gottesbegriff. Allerdings kamen und kommen solche Gottesbegriffe auch im Christentum vor, z.B. im Nominalismus und bei dessen Kindern, den Reformatoren.

Noch viel weniger hebt die Leugnung der Dreifaltigkeit die Referenz auf den einen Gott auf. Auch die Juden wußten noch nichts von der Dreifaltigkeit, dennoch war Jahwe, an den sie glaubten, der eine dreifaltige Gott. Die Muslime glauben wie die Juden und die Christen an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Daß Christus die Dreifaltigkeit Gottes offenbarte, macht Jahwe im Nachhinein nicht zu einem anderen Gott. Es ist derselbe Gott, über den eine weitere Wahrheit geoffenbart wurde. Die Unterscheidung, die dagegen manchmal ins Treffen geführt wird, daß der Gottesbegriff der vorchristlichen Juden auf die Dreifaltigkeit hin offen gewesen sei, während derjenige der Muslime und heutigen Juden dies nicht sei, da sie nach geschehener Offenbarung die Dreifaltigkeit immer noch ablehnen, ist eine Unterscheidung, die nicht den Begriff, sondern die subjektive Haltung der Menschen betrifft.

Natürlich wäre es ein Trugschluß, aus der Identität des einen Gottes im Christentum und Islam auf die Gleichwertigkeit beider Religionen zu schließen. Die objektive Heilsnotwendigkeit Christi für jeden Menschen, sei er Christ oder Muslim, ist damit nicht in Frage gestellt. Nicht Mohammed hat uns erlöst, sondern Christus. In heilsgeschichtlicher Perspektive kommt überdies dem Islam eine fatale Rolle zu. Er ist die einzige Weltreligion, die zeitlich nach Christus entstanden ist. Nachdem der Islam in weiten Regionen ein blühendes Christentum vernichtet hat, ist es unverständlich, wie man in ihm eine “präparatio [sic!] evangelica”, eine Vorbereitung auf das Evangelium, sehen kann, wie es in einem Referat der ansonsten schätzenswerten Dießener Sommerakademie geschehen ist. Da scheint mir das Urteil Kardinal Journets zutreffender zu sein, der im Islam ein “dauerhaftes Hindernis für das Aufblühen des Gottesreiches” und “das größte Ungemach” angesehen hat, “das jemals die Geschichte der Kirche getroffen hat.”

Die “Offenbarung”, die Mohammed empfangen hat, war nicht ein Werk Gottes, sondern, wenn sie außernatürlichen Ursprungs war, eher ein Werk des Widersachers. Inwiefern man nun tatsächlich Gott dient oder dem Widersacher, wenn man sich in den Dienst einer solchen Religion stellt, hat übrigens C.S. Lewis auf seine Weise allegorisch und sehr interessant in Der letzte Kampf, dem letzten Band seiner Narnia-Chroniken, beschrieben, insbesondere im Kapitel Weiter hinein und weiter hinauf.

Bron: www.kath-info.de/monotheismus.html


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